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Review Breguet Marine 5517 Der Kauf jeder Uhr beginnt mit einem Wunsch – die Toolwatch fürs Sonnendeck ( Ref. 5517TI/Y1/5ZU )

Photo of Knud 1 Kommentar Übersetzung: English

Der Kauf jeder Uhr beginnt mit einem Wunsch. Manche Wünsche sind bescheiden und führen ins Kaufhaus. Manche Wünsche sind Teil einer Gruppendynamik und führen auf Wartelisten. Manche Wünsche sind exaltiert – die führen zu Recherchen. Mir ist Letzteres zugestoßen: Ein exaltierter Wunsch.

Nachdem ich bereits eine Monokel-strenge Breguet Classique und einen ätherischen Hublot Vollkalender gekauft hatte, dachte ich eigentlich, dass damit genug Abseitiges für einen Menschen beisammen wäre. Die Uhren lagen in der Box friedlich eingehegt von gängigen Modellen, bereit für Tage, an denen es mal was Anderes sein soll. Das war vernünftig gedacht, aber falsch gefühlt. Einmal ins Abseitige abgebogen, führt wohl kein Weg mehr zurück.

Immer seltener holte ich einen der normalen Kameraden aus der Uhrenbox. Sie wirkten auf mich ungelenk und anbiedernd, ihre Design-Features waren ausgelaugt wie eine Samstag-Abend-Show im ZDF und ihr Glanz war aufgesetzt wie das Frosting von TK-Donuts.

Mir wurde klar: Ich wollte auch eine hinreichend exzentrische Uhr für die Freizeit, für das Leben am Meer, auf dem Segelboot, an der Strandbar und für die Sandburg mit den Kindern: sozusagen eine exaltierte Toolwatch, die zu barfuß genauso passt wie zu Tasselloafers.

Breguet Marine
Breguet Marine

Das ist gar nicht so einfach, denn wie in anderen Bereichen des Lebens sind die schönsten Objekte nicht unbedingt die praktischen. Die Uhr sollte aber absolut eigenständig sein und trotzdem auch vernünftig: mit Lume, 100 Meter wasserdicht und nicht so kratzempfindlich. Auch wollte ich nichts Protziges, oder eine Uhr, bei der ich mir um einen Überfall Sorgen machen muss.

Nach diversen beschweigenswerten Versuchen mit anderen Marken kam ich zur Breguet Marine. Sie bezieht sich auf die Zeit nach 1815, als Breguet Ausstatter der königlichen französischen Marine war. Durch diesen Meeres-Bezug ist sie heimlich ein ganz bisschen vernünftig: 100 Meter wasserdicht, in der Titan-Variante auch salzwasserbeständig und hat Lume auf Zeigern und Ziffern – also ideal für meinen Wunsch nach einem gediegenen Gefährten.

Breguet Marine

Die Marine greift grundsätzlich das typische Design der Marine-Chronometer auf. Dies waren die ersten „Toolwatches“, Uhren, die extra für die Navigation von Schiffen inmitten der unendlich wirkenden Weltmeere und mit entsprechender Präzision liefen. Dafür wurden die Marine-Chronometer in einem Observatorium oder im Heimathafen gestellt und durften auch bei Stürmen oder in unterschiedlichsten Klimazonen über Wochen und Monate möglichst wenig Abweichung aufweisen. Schon ein geringer Vor- oder Nachgang könnte hunderte von Seemeilen Abweichung und damit den sicheren Tod bedeuten. Konkret: höchstens 5 Sekunden am Tag waren zulässig. Eine faszinierende technische Leistung, denn nicht vergessen, wir sprechen hier vom 18. Jahrhundert.

Weil Chronometer im eigentlichen Sinne auch „kriegsentscheidend“ sein konnten, trieben sie Entwicklung der Uhrmacherei voran. Technische Herausforderungen waren besonders die Reduzierung von Reibung, die Temperaturkompensation, und den gleichmäßigen Lauf während des regelmäßigen Aufziehens und der Energiespitze zu gewährleisten.

Wie eigentlich immer in der Geschichte der Uhren taucht auch hier bald Breguet auf. 1778 war es John Arnold in Großbritannien, der damals führenden Seemacht, gelungen, den ersten Marine-Chronometer in Form einer Taschenuhr zu bauen. Als eben dieser Arnold eine Uhr von Breguet erleben konnte, reiste er voller Bewunderung nach Paris. Er kehrte zurück mit Breguets Sohn als Auszubildendem. Breguet hatte großes Interesse an der Nautik. Er entwickelte 1802 ein Gerät, mit dem der Weg eines Sterns zum Zwecke der Navigation mit der Präzision einer Zehntelsekunde gemessen werden konnte. 1815 wurde Breguet dann offizieller Marine-Chronometer-Lieferant der französischen Marine, Horloger de la Marine – eben diese Gravur findet sich auch am Boden der Marine 5517. Die Zeit der Marine-Chronometer endete etwas 100 Jahre später, als die Navigation auf Radiowellen umgestellt wurde.

Die Marine ist also eine typische Breguet: Das Design mag auf den ersten Blick eigenwillig erscheinen, es leitet sich aber logisch aus der Geschichte ab und ist dabei zugleich auch direkt von der Funktion her definiert. Zudem ist auch diese Breguet ganz und gar eine Breguet mit erstaunlichem Material- und Handwerkseinsatz ohne Sparzwang. Was sie von den anderen Linien unterscheidet, ist das spielerische Element in den Details.

Breguet Marine
Breguet Marine

Das Blatt ist auf den ersten Blick schlicht, spiegelt aber auf ungewöhnliche Weise das blaue Spiel der Wellen auf dem Meer. Dafür ist der Sonnenschliff nicht wie üblich vom Zeigerspiel ausgehend, sondern vom von Hand guillochierten Logo-Absatz unter der 12. Im Ergebnis ist immer eine leichte Bewegung im Blatt zu sehen. Das Blatt selbst ist in typischer Breguet-Manier aus einer massiven Goldplatte gefertigt. Auf dieser „Meeresoberfläche“ sitzen Weißgold-Indizes und weitere Appliken mit nautischer Form. Selbst das Gegengewicht des Sekundenzeigers führt die nautische Form des „B“ für Breguet.

Breguet Marine

Ein weiterer Bezug auf das Meer zeigt sich am Kronenschutz, der die Form einer Welle aufweist. Die Marine ist übrigens auch in goldenen-Gehäusen erhältlich; für meine Zwecke ist aber die Titan-Variante ideal, weil sie unempfindlich gegen Salzwasser ist. Durch die für Breguet typische Kannelüren an der Gehäuseflanke muss man auch Kratzer nicht fürchten. In Kombination mit dem optionalen Gummiband ist das eine schöne Uhr für das gute Leben am Strand. Der Bandwechsel geht durch die ebenfalls Breguet typische Verschraubung des Bandanstosses übrigens leicht von der Hand.

Ich habe mir die Marine mit Gummi- und Titanband zum Wechseln gekauft, weil ich in der dunklen Jahreszeit ein Gummiband nicht so passend finde. Das Kautschuk-Band wird mit einer Schließe in Form eines Steuerrades geschlossen.

Breguet Marine
Breguet Marine

Das elegant um den Arm fließende Titanband ist wundervoll taktil gebürstet und als Kontrast in den Zwischenräumen und an den Seiten auf Spiegelglanz poliert, so dass es eine Wertigkeit ausstrahlt wie ein 4ply-Kaschmirpullover. Weil auch das Blau des Blatts mit abnehmenden Licht in ein tiefdunkles, fast schwarzes navyblau changiert, funktioniert die Marine dann sogar an Tagen, die eher graublau sind, hervorragend. Auch das Meer kennt ja Herbsttürme.

Breguet Marine

Die Verzierung des Werks ist dem Thema angepasst; die Genfer Streifen nehmen hier die Form eines Teak-Decks an. Der 18K-Rotor hat die Form eines Steuerrads. Selbstverständlich sind die modernen Breguet-Features der Silizium-Technik etc. passend zu einem Marine-Chronometer an Bord. Wasser und Magnetismus sind keine Gefahr.

Breguet Marine

Bei der Box gehen die Anleihen dann vielleicht etwas zu weit, außen ist auch wieder ein Wellenmuster angedeutet, aber innen gibt es eine Deckoptik zu sehen. Konsequent ist es in jedem Fall.

Alles in Allem ist die Marine damit natürlich trotz der spannenden Geschichte keine „Toolwatch“ wie sich das der ein oder andere in seinen Tagträumen von Uhren für Bergbesteigungen, Tiefseetauchtouren oder Mondflüge wohl vorstellt.

Breguet Marine
Breguet Marine

Es ist schon eher eine Uhr für das Promenadendeck als für den Maschinenraum. Aber für mich wichtig ist, dass ich sie für mein Leben, in dem eher Sonnencreme und Sand im Metallband sowie die Stöße einer Wasserrutsche die zentralen Herausforderungen darstellen, überall hin mitnehmen kann.

Für mich hat sich mein Wunsch jedenfalls erfüllt: Die Marine begleitet mich vom hellblau der Karibik bis zum sturmschwarz der Nordsee – schön exaltiert.

1 Kommentar

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  1. Daniel 10.08.2025

    That was an exalted read, thank you for bringing the spotlight to an underrepresented piece. The pictures are great and highlight the playful details. To my liking those are right on the edge of being to gimmicky, but as they are not to in your face they will always secure a high base line interest.

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